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Anne-Frank-Gesamtschule · Onboarding

Willkommen an der Anne Frank

Ein Rundgang durch unsere Methoden und Abläufe — geschrieben für jemanden, der noch nie hier war. Stell dir vor, morgen ist dein erster Tag. Dieser Text erklärt dir, was du sehen wirst, wie es funktioniert und warum wir es so machen.

Für neue Kolleg*innen · Stand 08.07.2026 · zum Lesen & Ausdrucken

Vieles an der Anne Frank sieht anders aus als an einer „normalen" Schule: Kinder, die morgens selbst entscheiden, wann sie reinkommen. Unterricht, der „Lernbüro" oder „Werkstatt" heißt statt Mathe oder Deutsch. Erwachsene, die sich Lernbegleiter*innen nennen. Dieser Leitfaden nimmt dir die Fachbegriffe ab und übersetzt sie in das, was im Alltag tatsächlich passiert.

„Wir sind Anne." Dahinter steckt der Anspruch, Schule neu und besser zu machen — mit den Werten Vielfalt, Verbundenheit und Verantwortung.
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Ein Tag an der Anne Frank

Am schnellsten verstehst du die Schule, wenn du einmal einen Schultag durchläufst. So sieht er aus:

08:00–08:30
Offenes AnkommenOA
Die Kinder kommen innerhalb dieser halben Stunde selbst gewählt an, geben ihr Handy ab und tragen sich in die Lernbüro-Listen ein. Zum Gong um 8:25 müssen alle im Klassenraum sein. Ein sanfter, selbstverantworteter Start statt Klingel-Stress.
08:30–09:00
Gemeinsames AnkommenGA
Der Tag beginnt gemeinsam: montags Schulversammlung, freitags Klassenrat, an weiteren Tagen soziales Lernen, Lese-/Lernstrategien und Organisatorisches.
09:05–10:35
1. Block — Lernbüro oder Werkstatt
Der erste große Arbeitsblock (Doppelstunde).
10:35–11:00
Frühstücks- & Hofpause
11:00–12:30
2. Block — Lernbüro, Werkstatt oder Zukunftswerkstatt
12:30–13:30
Mittagspause
Für Jg. 5/6 mit verpflichtendem gemeinsamen Essen.
13:30–15:00
3. Block bzw. Wahlpflicht-AGDi

Die drei fett gedruckten Formate — Lernbüro, Werkstatt und Zukunftswerkstatt — sind das Herz des Unterrichts. Die schauen wir uns jetzt einzeln an.


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Das Lernbüro

Im Lernbüro lernen die Kinder die „klassischen" Fächer — aber nicht so, dass vorne jemand erklärt und alle gleichzeitig dasselbe tun. Ein Lernbüro ist eine Organisationsform für selbstorganisiertes Lernen: Die Schule stellt Aufgaben, Material und Themen bereit, und die Kinder entscheiden innerhalb eines Rahmens selbst über Tempo und Schwierigkeitsgrad. Statt Unterricht zu halten, begleitest du das Lernen — du bist Ansprechpartner*in, Coach und Feedbackgeber*in.

So läuft das konkret
  • Jedes Kind arbeitet an Bausteinen (Lernpaketen) und hakt sie ab, wenn sie sitzen.
  • Der Ablauf ist ritualisiert und folgt einer festen „Sandwichplanung": Input- und Arbeitsphasen wechseln sich ab, damit selbstständiges Arbeiten und gemeinsame Vertiefung ineinandergreifen.
  • Die Kinder planen ihre Zeit, setzen sich Ziele und reflektieren regelmäßig — dokumentiert im Logbuch.
  • Du gehst herum, gibst individuelle Hilfe, prüfst Bausteine und coachst beim Lernen (Lerncoaching).
Warum wir das so machen

Weil Kinder unterschiedlich schnell und unterschiedlich weit sind. Das Lernbüro macht Differenzierung zum Normalfall und übt ganz nebenbei Zukunftskompetenzen: Zeitmanagement, Eigenverantwortung, Selbsteinschätzung. Und praktisch: Weil das System auf Selbstorganisation baut, lassen sich auch Vertretungen gut auffangen.

Für dich als Neue*r

Erwarte nicht die Kontrolle einer Frontalstunde — deine Wirkung entsteht in den Einzelgesprächen. „Sandwich" heißt nicht Chaos: Es gibt klare Rituale, an denen du dich festhalten kannst. Frag im Team nach der Sandwich-Vorlage für dein Fach.

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Die Werkstatt & „Deeper Learning"

Während das Lernbüro Grundlagen sichert, geht es in der Werkstatt in die Tiefe und ins Projekt. Werkstätten sind nach dem Modell Deeper Learning (nach Prof. Anne Sliwka) aufgebaut. Die Idee: Kinder eignen sich Wissen nicht nur an, sondern erzeugen selbst Wissen und wenden es auf etwas Echtes an. Jede Werkstatt läuft in drei Phasen — planbar für eine Doppelstunde oder eine ganze Unterrichtsreihe:

Die drei Phasen
  • 1. Aneignung / Instruktion — Fachbegriffe, Konzepte und Grundwissen werden vermittelt und verstanden.
  • 2. Ko-Konstruktion & Kreation — die Kinder arbeiten kooperativ und interessengeleitet, wenden das Wissen an und entwickeln es weiter.
  • 3. Authentische Leistung — am Ende steht ein echtes Produkt oder eine Präsentation für ein echtes Publikum: eine Ausstellung, ein Vortrag, eine Veröffentlichung — etwas, das „in die Welt wirkt".
Warum wir das so machen

Wissen bleibt hängen, wenn man es nutzt, statt es nur für den Test abzuspeichern. Der echte Adressat am Ende (Phase 3) sorgt für echte Motivation — die Arbeit hat einen Sinn über die Note hinaus.

Für dich als Neue*r

Wenn du eine Werkstatt planst, denk vom Ende her: Welches echte Produkt soll entstehen und für wen? Dann ergeben sich Phase 1 und 2 fast von selbst.

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Die Zukunftswerkstatt & der FREI DAY

Die Zukunftswerkstatt ist fächerübergreifend und dreht sich um die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Sie verbindet Deeper Learning mit dem FREI DAY-Konzept der Initiative „Schule im Aufbruch" (mitbegründet von Margret Rasfeld). Hier arbeiten die Kinder in freier Projektarbeit an Fragen, die sie selbst bewegen.

So läuft das konkret
  • Die Themen kommen von den Kindern — orientiert an ihrer Lebenswelt, ihren Fragen und Visionen.
  • Sie schlagen eigene, nachhaltige Projekte vor und setzen sie um — ohne Noten.
  • Roter Faden ist die „dreifache Verantwortung": für mich, für meine Mitmenschen und für unseren Planeten.
Warum wir das so machen

Nicht Schulfächer stehen im Mittelpunkt, sondern das Verbinden von Wissen und Handeln für eine bessere Welt. Kinder erleben früh Selbstwirksamkeit: „Ich kann etwas verändern."


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Wie wir Gemeinschaft & Rückmeldung organisieren

Klassenrat

Freitags (im Gemeinsamen Ankommen) tagt der Klassenrat — ein basisdemokratisches Forum, in dem Kinder und Lehrkraft gleichberechtigt über Anliegen, Konflikte und Projekte der Klasse sprechen und abstimmen. Die Kinder übernehmen feste Rollen (Vorsitz, Protokoll, Zeit- und Regelwächter*in), oft beginnt die Sitzung mit einer Loberunde. Deine Rolle als Erwachsene*r: „Begleiter*in, nicht Regent*in" — du gibst Verantwortung ab und hältst dich zurück.

Lernentwicklungsgespräch (LEG)

Den klassischen Elternsprechtag gibt es bei uns nicht — an seine Stelle tritt das LEG. Hier sitzen Kind, Eltern und Klassenleitung zusammen. Das Besondere: Im Mittelpunkt steht das Kind als aktiver Gesprächspartner — die Eltern hören vor allem zu. Es wird also mit dem Kind gesprochen, nicht über es.

So läuft das konkret
  • Zur Vorbereitung füllen Kind und Lehrkraft je einen Selbst- bzw. Fremdeinschätzungsbogen aus (Fächer, Sozial- und Arbeitsverhalten).
  • Es geht nur teilweise um Noten — wichtiger sind Arbeitshaltung, Herausforderungen und Lösungswege.
  • Am Ende stehen konkrete, gemeinsam vereinbarte Lern- und Arbeitsziele für die kommenden Monate.
  • Reihenfolge immer: erst, was das Kind kann — dann, was es noch lernen möchte.

Das Logbuch

Das Logbuch ist das persönliche Steuerungsheft jedes Kindes: Planer, Zielheft, Reflexionsort und Kommunikationsbrücke zwischen Schule und Elternhaus in einem. Klassenleitungen kontrollieren es regelmäßig; auch kurze Absprachen mit Schüler*innen werden hier notiert.


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Die Haltung dahinter

All diese Formate tragen nur, wenn die Haltung stimmt. Zwei Begriffe hörst du bei uns ständig:

Growth Mindset & positive Fehlerkultur

Die Psychologin Carol Dweck unterscheidet zwei Denkweisen: das Fixed Mindset („Können ist angeboren und feststehend") und das Growth Mindset („Fähigkeiten wachsen durch Anstrengung, Übung und Feedback"). Wir setzen konsequent auf Letzteres. Daraus folgt eine positive Fehlerkultur: Fehler sind kein Beweis von Unfähigkeit, sondern sichtbare Lernprozesse — sie zeigen genau, wo als Nächstes Wachstum möglich ist.

Was das für deine Sprache bedeutet

Lob die Anstrengung und die Strategie, nicht das Talent („Du hast das clever gelöst" statt „Du bist so schlau"). Und denk an die LEG-Reihenfolge: erst das Können, dann das Nächste.

Vom Lehrer zur Lernbegleitung

Der rote Faden durch alle Formate ist ein Rollenwechsel: weg von der Person, die vorne alles steuert, hin zur Lernbegleitung, die Verantwortung an die Kinder abgibt und sie beim eigenständigen Lernen coacht. Für diese Rolle gibt es die „Lernbegleiterjourney", einen Selbstlernkurs — die Schule sponsert ihn und empfiehlt ihn dringend.


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Regeln: das RAD

So viel Freiheit braucht einen klaren, gemeinsamen Rahmen. Der heißt bei uns RAD: Respekt, Aufmerksamkeit, Disziplin — der Merksatz dazu ist „Duisburg schlägt keiner" (DSK). Das RAD gilt sichtbar für alle, auch für uns Mitarbeitende.

Bei Regelverstößen
  • 1. Verwarnung mit Hinweis auf das RAD → gelbe Karte
  • 2. Verwarnung → rote Karte und Auszeitraum (Verstoß + Uhrzeit im Logbuch und in WebUntis dokumentieren)
  • Im Auszeitraum reflektiert das Kind nach festem Formular; die Lehrkraft, die es geschickt hat, entscheidet, ob die Reflexion ausreicht.

Wichtig ist die gemeinsame Linie: immer wieder aufs RAD verweisen und an einem Strang ziehen. Multiplikator*innen (u. a. Markus Kay) führen neue Kolleg*innen und Klassen ins RAD ein.


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Nochmal kurz: Was heißt das?

Lernbüro (LB)
Selbstorganisiertes Lernen der Grundfächer; Kind wählt Tempo & Niveau, Lehrkraft begleitet.
Sandwichplanung
Ritualisierter Wechsel aus Input- und Arbeitsphasen im Lernbüro.
Baustein
Abgeschlossenes Lernpaket, das bearbeitet, abgehakt und bewertet wird.
Werkstatt
Projektorientierter Unterricht nach dem 3-Phasen-Modell „Deeper Learning".
Deeper Learning
Aneignung → Ko-Konstruktion → authentische Leistung (echtes Produkt für echtes Publikum).
Zukunftswerkstatt
Fächerübergreifende Projektarbeit zu den 17 Nachhaltigkeitszielen (mit FREI DAY).
FREI DAY
Format von „Schule im Aufbruch": Zeit für selbstgewählte Nachhaltigkeitsprojekte, ohne Noten.
Klassenrat
Wöchentliches, demokratisches Klassenforum mit festen Schüler-Rollen.
LEG
Lernentwicklungsgespräch mit Kind, Eltern & Klassenleitung — ersetzt den Elternsprechtag.
Logbuch
Persönliches Planungs-, Ziel- und Kommunikationsheft des Kindes.
Lernbegleitung
Rollenverständnis: coachen & begleiten statt frontal steuern.
Growth Mindset
Haltung: Fähigkeiten wachsen durch Anstrengung, Übung & Feedback.
RAD / DSK
Respekt, Aufmerksamkeit, Disziplin — „Duisburg schlägt keiner".
OA / GA
Offenes Ankommen (8:00–8:30) / Gemeinsames Ankommen (8:30–9:00).

Zum Weiterlesen

Die AFG-spezifischen Abläufe stammen aus dem schulinternen Onboarding-Wiki. Die Erklärungen der Methoden sind mit folgenden Quellen abgeglichen: